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Experten-Interview Mai 2013



Grobner-bearb.jpgwww.gebärdenwelt.tv sendet seit 5 Jahren Nachrichten in ÖGS

 

Die Online-Plattform ist auch in Deutschland sehr beliebt. Mit der Redakteurin Claudia Grobner habe ich mich über die Produktion und das Geschehen hinter den Kulissen unterhalten.

 

Judit Nothdurft: Frau Grobner am 01.05.2013 feiert Ihr Nachrichtenportal 5-jähriges Jubiläum. Machen wir einen kurzen Rückblick, wie hat alles angefangen?

Claudia Grobner: Für knapp 10.000 Menschen in Österreich ist die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) ihre Mutter- bzw. Erstsprache. Für sie ist der barrierefreie Zugang zu Informationen ist nur mittels Gebärdensprache möglich. Gehörlose Menschen sind also vom bestehenden Nachrichtenangebot meist ausgeschlossen. Diese Barriere führt zu gravierenden (=bedeutenden) Informationsdefiziten und weiterer Diskriminierung. Die Überwindung dieser Barrieren war der Grundgedanke, der zur Gründung von Gebärdenwelt geführt hat.

Die Online-Plattform Gebärdenwelt ist das einzige Nachrichtenportal in Österreich, das tagesaktuelle Meldungen für gehörlose Menschen barrierefrei in ÖGS anbietet. Die Nachrichten aus Österreich und der ganzen Welt sind als Gebärdensprachvideos und gleichzeitig in deutscher Schriftsprache abrufbar.

 

Was waren die Zielsetzungen bei der Gründung und welche Entwicklungen gab es?

Unser Ziel ist es, Informationsdefizite und Wissenslücken bei gehörlosen Menschen abzubauen und einen barrierefreien Informationszugang zu schaffen, das heißt Informationen in der Muttersprache gehörloser Menschen anzubieten. Das bedeutet gleichzeitig auch Chancengleichstellung, Handlungsfähigkeit und Teilhabe in allen Lebensbereichen für gehörlose Menschen. Durch unser Angebot soll die selbstständige Bildung gehörloser Menschen gefördert und eigenständiges Engagement erhöht werden. Eine weitere wichtige Zielsetzung ist, dass wir durch unser Angebot die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen unterstützen.

 

Die letzte größere Entwicklung haben wir letztes Jahr vollzogen. Wir haben unsere Homepage neu gestaltet und die Adresse von gebaerdenwelt.at auf gebaerdenwelt.tv geändert. Mit diesem Neustart der Homepage im Oktober 2012 wurde die Nachrichtenplattform neu strukturiert und verbessert. Seither hat die Homepage ein neues Design und auch ein neues Logo. Anfang Dezember gab es einen weiteren Höhepunkt, dann starteten wir unser neues Kinderprogramm: „Gebärdenwelt Kinder“. Hier zeigen wir jeden Sonntag Kurzgeschichten, spannende Märchen oder lustige Texte von Kindern für Kinder, in Gebärdensprachvideos. Ermöglicht wurde dieses neue und einzigartige Angebot durch Kooperationen, unter anderem mit dem Coppenrath Verlag oder dem Fotoportal fotolia.

 

So ein Portal zu betreiben ist nicht ganz billig. Wie finanzieren Sie sich?

Die Kosten des Projekts werden hauptsächlich durch das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz und Eigenmittel abgedeckt.

 

Wie groß ist das Team, wie viele Leute arbeiten hinter den Kulissen?

Derzeit sind wir - neben der Projektleitung, Geschäftsführung und Buchhaltung - als 5er-Team aktiv:

Alvaro San Roman – Stellvertretung und Technik

Daniele Le Rose – Kameramann, Technical Director

Claudia Grobner – Redaktionsleitung

Elizabeth Rotter – Redaktion, Moderatorin

Atilla Gümüssuyu – Moderator

 

Können alle MitarbeiterInnen gebärden?

Ja, alle MitarbeiterInnen können zumindest die Basics der Gebärdensprache. Für die hörenden MitarbeiterInnen gibt es einmal pro Woche einen Gebärdensprachkurs. Dieser wird abwechselnd von zwei gehörlosen Mitarbeiterinnen angeboten. Es gibt dabei einen Kurs für AnfängerInnen und einen für Fortgeschrittene, da wir auch mit unterschiedlichen Kenntnissen die Arbeit begonnen haben.

 

Sie sind hörend. Wie sind Sie zur Gebärdensprache gekommen?

Ich habe schon während meiner Studienzeit aus reinem Interesse und Neugier einen Kurs in Gebärdensprache belegt. Das hat mir so gut gefallen, dass ich dann drei Jahre lang die Österreichische Gebärdensprache erlernt habe. Nach dem Studium habe ich dann wieder viel verlernt, da ich keine Praxis hatte und persönlich auch keine gehörlosen Menschen in meiner Familie oder im FreundInnenkreis habe. Die Stellenausschreibung als Redakteurin für Gebärdenwelt hat mich dann auch deswegen sehr interessiert, weil sie eben auch in Zusammenhang mit dem Thema Gehörlosigkeit gestanden ist. Ich wollte meine Gebärdensprach-Kenntnisse wieder auffrischen und mich mehr mit der Gehörlosen-Community befassen.

 

Auf der Plattform werden täglich bis zu 18 neue Nachrichten gezeigt. Aus welchen Quellen bekommen Sie diese Nachrichten?

Dank einer Kooperation mit der Austria Presseagentur APA ist der Zugang zu den aktuellen Tagesmeldungen gegeben. Die Meldungen für Gebärdenwelt umfassen die Bereiche Politik, Chronik, Wirtschaft, Sport und Kultur.

Täglich veröffentlichen wir auch zwei bis drei Berichte aus der Gehörlosen-Community. Diese Informationen recherchiert das Team eigenständig oder wir bekommen Mails mit Informationen zu Veranstaltungen, Presseaussendungen, persönlichen Erlebnissen, etc. direkt an die Redaktionsadresse zugesandt. Zu den Berichten aus der Gehörlosen-Community gehören auch Interviews, sowie Reportagen vor Ort zum Beispiel bei Kongressen oder Sportveranstaltungen.

 

Wie lange dauert es bis eine Nachricht in Österreichischer Gebärdensprache auf www.gebärdenwelt.tv online gezeigt wird?

Mein Arbeitsbeginn ist um 9:00 Uhr, da bekomme ich per Mail einen Nachrichtenüberblick von der APA mit aktuellen Kurznachrichten. Die lese ich mir durch, ergänze sie eventuell durch Erklärungen von Fachbegriffen und suche Fotos dazu aus der APA-Datenbank. Bestimmte Begriffe aus Politik und Wirtschaft sind für viele gehörlose Menschen schwierig zu verstehen. Mit dem Gebärdensprachvideo und dem schriftlichen Text daneben ist der Inhalt dann jedoch gut verständlich. Neben den Kurzmeldungen gibt es auch täglich ein Nachrichtenvideo, das ich auswähle und transkribiere. Die Community-Berichte werden ebenfalls am selben Tag von unserem Moderator aufgenommen.

Danach suche ich aus der APA-Datenbank weitere Nachrichten/Themen eigenständig aus, die wieder aufgenommen werden. Ab circa 14:00 Uhr sind dann alle Berichte auf gebaerdenwelt.tv online zu sehen.

 

Nach welchen Kriterien wird ausgewählt, welches Thema gesendet wird? Gibt es Themen, die auf jeden Fall im Mittelpunkt stehen?

Die wichtigsten Artikel sind auf jeden Fall die Community-Berichte. Hier versuche ich unterschiedliche Themen aus der ganzen Welt zu behandeln und über alle Rubriken verteilt: Nachrichten, Gesundheit, Wissen, Technik, Leben, Menschen, etc. Ich freue mich auch immer sehr über Zusendungen!

Für Veranstaltungen, Seminare, Workshops, etc., in Gebärdensprache oder mit Dolmetscher gibt es einen eigenen Terminkalender auf unserer Homepage. Die Community-Berichte werden auch auf unserer Facebook-Seite geteilt.

Bei den allgemeinen täglichen Nachrichten hat unsere Plattform einen gewissen Bildungsauftrag zu erfüllen. Wir informieren über aktuelle Geschehnisse in Österreich und machen auch Aufklärungsarbeit, wenn es zum Beispiel Volksbefragungen gibt oder Informationen über neue öffentliche Verkehrslinien in Wien. Aber für mich sind auch internationale Ereignisse besonders wichtig, dass es hier Informationen in der Muttersprache gehörloser Menschen gibt und dadurch vielleicht auch das Interesse für Politik geweckt wird.

 

Bekommen Sie auch Rückmeldungen von den Zuschauern? Was wird besonders positiv angenommen, was kommt weniger gut an?

Ehrlich gesagt, gibt es nicht besonders viele Rückmeldungen an die offizielle Redaktionsadresse. Die Gehörlosen-Community in Österreich ist aber gut miteinander verbunden und so findet der Informationsaustausch eher direkt im Alltag, auf privater Ebene zwischen den ZuschauerInnen und unseren gehörlosen MitarbeiterInnen statt.

Besonders positiv wurde auf jeden Fall die Einführung von „Gebärdenwelt Kinder“ bewertet, hier gab es zahlreiche Rückmeldungen - auch von hörenden Zuschauerinnen, die die Gebärdensprache lernen und die Videos als Lernhilfe nützen.

 

Ihr Moderator Atilla Gümüssuyu ist immer gut frisiert und schick angezogen. Wird also auch auf eine gepflegte Erscheinung vor der Kamera Wert gelegt.

Wir haben von verschiedenen Bekleidungsunternehmen Kleiderspenden erhalten, da gab es eine gewisse Modeberatung. Sicher ist es auch wichtig, gepflegt vor der Kamera aufzutreten. Ansonsten überlassen wir aber den ModeratorInnen die Kleiderauswahl oder Frisur ihrem persönlichen Stil, also was ihnen gefällt und worin sie sich wohl fühlen. Das letzte Wort hat dann aber immer noch der Kameramann. Es hängt vor allem mit der sogenannten Green-Box zusammen, in der die Aufnahmen gemacht werden. Manche Farben sind hier beispielsweise ungünstig und können nicht getragen werden.

In den Videos sind die ModeratorInnen auch nur zur Hälfte zu sehen, da werden manchmal lustigen Outfits kreiert – vor allem im Sommer. Dann kommt zu der heißen Außentemperaturen auch noch die Hitze im Studio dazu mit Scheinwerferlicht, etc. - Anzugoberteil, Hemd und Krawatte kombiniert mit kurzer Hose und Flip Flops sind da kein seltener Anblick!

 

Wo können wir das Team auch mal persönlich kennenlernen?

Am 12. und 13. Juli 2013 findet ein großer internationaler Bildungskongress des ÖGLB in Wien statt. Der Titel lautet „Gebärdensprache macht stark – Empowerment (= Ermächtigung, Übertragung von Verantwortung) durch Mehrsprachigkeit“ und es dreht sich alles um Frühförderung, Schulbildung, Weiterbildung und Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. Das Jahr 2013 ist für den Österreichischen Gehörlosenbund außerdem ein Festjahr, denn er feiert 100-jähriges Jubiläum.

Auf diesem Kongress wird ein kleines Team von Gebärdenwelt live berichten und somit gibt es die Möglichkeit uns einmal persönlich zu treffen und kennenzulernen. Der Bildungskongress soll umfangreiche Informationen für hörende und gehörlose Menschen bieten, es wird auch eine Jubiläumsgala im Festsaal des Wiener Rathauses geben.

Wer sich dafür interessiert, kann auf der Homepage des ÖGLB unter www.oeglb.at detailliertere Informationen finden und sich auch anmelden. Wir würden uns natürlich sehr über BesucherInnen aus Deutschland freuen!

 

Ich bedanke mich für das Interview und auf Wiedersehen in Wien!

 

Text: Judit Nothdurft

Bild: Claudia Grobner

 
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