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Experten-Interview Juli 2013



Keine Anhung - die neue DVD von Sascha Grammel - jetzt auch mit Gebärdensprache

 

Seit Juni ist die DVD „Keine Anhung“ auf dem Markt. Diese ist die erste DVD eines Komödianten in Deutschland, wo das komplette Material inklusive Bonusprogramm auch in Gebärdensprache zu sehen ist. Aus diesem Anlass habe ich den Komödianten, Puppenspieler und Bauchredner Sascha Grammel und seine „Gebärdensprachstimme“ Savina Tilmann interviewt.

 

Judit Nothdurft: Herr Grammel, dem hörenden Publikum sind Sie schon lange bekannt und sehr beliebt. Ihre Touren sind restlos ausverkauft. Und jetzt werden Sie auch die gehörlose Community begeistern. Wie sind Sie auf die Idee gekommen Ihre DVD mit Gebärdensprache zu präsentieren?

Sascha Grammel: Ich hatte vor etwa zehn Jahren mal einen Auftritt auf einem Sportlerball. Einige Gäste winkten mir während des Auftritts zwischendurch immer fröhlich zu. Ich dachte erst, dass ich die Personen kenne und sie wollten mich grüßen. Später habe ich bemerkt, dass der vermeintliche „Fotograf“ am Bühnenrand ein Dolmetscher war, der meinen Auftritt simultan in die Gebärdensprache übersetzte. Danach erklärte man mir, dass das „Winken“ ein „Klatschen“ war und ich war sofort von der Sprache begeistert!

 

Haben Sie schon mal Kontakt zu Gehörlosen gehabt? Was wissen Sie von dieser Behinderung?

Ich hatte bislang nur Kontakt zu Menschen, die sowohl die Lautsprache als auch die Gebärdensprache beherrschen. In meiner Familie kam es einmal dazu, dass ein Familienmitglied über ein Jahr lang nicht reden konnte. Nach und nach haben sich einige „Freunde“ distanziert, da kaum noch Kommunikation stattfinden konnte. Da wurde mir bewusst wie wichtig „Kommunikation/Sprache“ ist und wie schnell sich andere Menschen von einem abwenden, wenn man nichts mehr zu „sagen“ hat.

 

Wie war die Zusammenarbeit mit der Dolmetscherin?

Savina hat mich prima in der Vorbereitung unterstützt und die Grundzüge dieser wunderschönen Sprache erklärt. Ich habe mich zu Beginn natürlich etwas dusselig angestellt. Aber wie so oft im Leben. Übung macht den Meister. Und als ich dann die ersten Sätze gebärden konnte, war ich zugegeben etwas stolz.

 

Können Sie gebärden oder haben Sie etwas von der Dolmetscherin Savina Tilman abgeschaut?

Nein ich kann leider nicht wirklich gebärden. Savina hat aber geduldig mit mir geübt und mir auch jede Gebärde erklärt und Hintergrundinformationen dazu gegeben. Das hat mir sehr geholfen und war äußerst interessant!

 

Wenn Sie Ihre DVD mit Gebärdensprache anschauen, wie wirkt es auf Sie?

Toll! Einfach nur toll! Ich finde diese Sprache soooo schön! Einiges versteht man sogar auch ohne Vorkenntnisse. Es ist eine wundervolle, in meinen Augen sehr elegante und direkte Sprache, die aber gleichzeitig so komplex ist, dass man auch schwierige Inhalte detailliert erklären kann. Und dabei wirkt die Sprache so beschwingt, leicht und oft auch witzig. Einfach toll!

 

Sie sind gelernter Zahntechniker und waren Vizeweltmeister im Zaubern. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie auch als Bauchredner die Leute unterhalten können?

Auftritte hatte ich schon als Jugendlicher. Damals habe ich mit der Zauberei angefangen und bin auf Kindergeburtstagen aufgetreten. Später kamen das Puppenspiel und das Bauchreden dazu. Vor ca. 13 Jahren kam mir dann Frederic zugeflogen. Sofort war uns klar, dass wir etwas zusammen auf der Bühne machen wollen. Das hat so gut funktioniert, dass wir kurz darauf Verstärkung brauchten. Schwups kamen noch die anderen Puppen hinzu und geboren war die „Puppet-Comedy“!

 

Ihr Auftreten mit den Puppen wirkt auf der Bühne ganz locker. Wie viel Arbeit steckt dahinter bis so ein Bühnenprogramm fertig ist? Wie lange üben Sie mit den einzelnen Puppen?

Schön, dass es locker wirkt. Das ist ein weiter Weg bis dahin und es steckt eine Menge Arbeit dahinter. Wäre jede Übungsstunde eine Stufe, so könnte ich inzwischen auf meiner Treppe bestimmt locker zum Mond laufen. Ich habe wirklich eine Menge trainiert. Früher habe ich jeden Tag geübt. Wenn eine Show dann fertig ist, reichen die Auftritte. An der neuen Show habe ich über zwei Jahre gearbeitet. Dabei achte ich ja nicht nur auf den Text/Inhalt, sondern auch auf die Verpackung der Show. Kulisse, Licht und Musik sind für mich mindestens genauso wichtig wie meine Nummern. Das bedeutet Aufwand. Alleine die zwei Stunden Text perfekt zu lernen, ist eine Aufgabe. Vor allem, wenn man kein Talent dafür hat. Oder bildlich gesprochen: mein Gehirn ist wie ein Toaster: ich kann zwar jede Menge Brot reinstecken, aber nach kurzer Zeit fliegt es doch immer wieder `raus.

 

Testen Sie schon vorher, wie einzelne Szenen ankommen?

Ich möchte meine Zuschauer entführen. Ich möchte, dass sie für einen Moment den Alltag und alle Probleme vergessen und von Herzen lachen können. Ich lache selber auch sehr gerne und immer wieder auch über mich selber und meinen Quatsch, den ich da Abend für Abend veranstalte. Zum Glück habe ich feststellen können, dass ich meinen Humor mit vielen Menschen teile. Ich zeige also in meinen Shows in erster Linie Dinge, die mir selber Spaß machen. Dann gefällt es meistens auch meinem Publikum. Trotzdem muss ich natürlich die einzelnen Szenen immer wieder auch vor Publikum testen, um sicher zu gehen, dass meine Ideen/Gags auch wirklich gefallen. Dafür gibt es keine Garantie. Oft liege ich richtig, manchmal aber auch komplett daneben.

Ich bin beim Einüben von neuen Nummern auch sehr pingelig. Jede Bewegung, jede Pointe muss genau einstudiert und hunderte Mal geübt werden. Nur dann ist die Nummer am Ende perfekt. Das ist beim Üben manchmal auch gar nicht so lustig und sehr anstrengend.

 

Sie treten auf der Bühne mit ganz unterschiedlichen Puppen auf. Würden Sie diese unseren Lesern vorstellen? Welche ist Ihr Liebling und warum?

Da wären einmal die „Big Three“ aus meinem ersten Programm „HETZ MICH NICHT!“. Die herzallerliebst-niedliche Schildkrötendame Josie, der schnoddrige Frederic Freiherr von Furchensumpf und der immer verwirrter werdende Hamburger Professor Doktor Peter Hacke. Die drei haben in völlig neuen Rollen auch in „KEINE ANHUNG“ wieder ihre großartigen Auftritte. Und es gibt noch einige neue, gutgelaunt-bekloppte Sympathie-Träger – den unvergleichlichen, außerirdischen Handelsvertreter „Herr Schröder“ (mit Ursula), den jüngsten, strumpfsockigen Prototypen am Bauchredner-Himmel „Außer Rüdiger“ und jede Menge allesamt wunderbar türkisfarbene, ganz unterschiedlich talentierte 1A-Show-Hühner!

 

Ich habe keine Lieblingspuppe. Alle haben ihre Stärken. An dem einen liebt man dies, an dem anderen das. Wir sind irgendwie, wie eine große Familie. Außer Rüdiger! :-)

 

Entwickeln Sie Ihre Programme und die Puppen selbst? Woher kommen die ausgefallenen Namen der Figuren?

Alle meine Puppen sind meiner Fantasie entsprungen, jede von ihnen ist so einzigartig wie ihr Name. Und in jeder Puppe steckt auch ein Stück von mir. Und damit meine ich nicht nur meine Hand, wenn ich sie spiele. Sie sind in liebevoller Feinarbeit entstanden. Wenn ich eine Idee für eine Puppe habe, spreche ich die mit meinem Comiczeichner durch. Anschließend entwickeln und verändern wir den Entwurf so lange, bis eine richtig tolle Figur dabei herauskommt.

Dann geht dieser Entwurf an meine Puppenbauer. Gemeinsam erschaffen wir dann über Monate einen ganz neuen Charakter. Alle meine Puppen leben aber im Hier und Jetzt. Ihre Erlebniswelt ist auch die meine. Soll heißen: die Sechs sind genau „wie Du und ich“, sie erleben, was auch wir alle täglich erleben. Fühlen und denken wie wir. Im Programm überzeichne ich diese Erlebnisse dann humoristisch. Das emotionalste Beispiel im neuen Programm ist sicherlich Josie, die Schildkrötendame.

 

Können Sie sich vorstellen, dass Sie das Programm auf der Bühne auch mit einer Gebärdensprachdolmetscherin zeigen?

Ja das kann ich mir sehr gut vorstellen. Allerdings weiß ich nicht, ob man eine gesamte Tour damit bestreiten könnte. Wir sind jetzt schon 13 Crew-Mitglieder mit einem 40Tonner und zwei Autos unterwegs. Der Aufwand der Show ist bereits gigantisch. Wir würden dann ja eine zusätzliche Kamera benötigen, einen Beamer, Kabelwege, Bildmischer(in), Kameramann/-frau, einen Dolmi, hinzu die Transport-/Übernachtungskosten plus Gagen. Das wird sicher eng. Aber dafür gibt es ja meine Show jetzt auf DVD/Bluray und komplett in DGS.

Ich werde die Idee aber weiterleiten. Vielleicht ist ja mal ein Tourblock mit Dolmi machbar. Ich werde das mal anregen. Gute Idee!

 

 

 

 

Frau Tilmann, Sie sind die „Gebärdensprachstimme“ der verschiedenen Figuren auf der DVD. Das lebhafte Programm war bestimmt eine Herausforderung auch für Sie als geübte Dolmetscherin…

Savina Tilmann: Ja, das war es. Ich habe mit Sascha zuvor abgesprochen, dass wir sowohl ihm als auch den einzelnen Figuren Namensgebärden geben und so gut es möglich ist auch eine eigene Mimik.

So hat Prof. Hacke: z.B. die heruntergezogenen Mundwinkel,

außer Rüdiger: die aufgerissenen Augen

Frederic: die hochgezogenen Augenbrauen, usw.

Natürlich kann ich das nicht durchgängig machen, da Mimik ja auch eine grammatikalische Komponente in der DGS ist und so an der ein oder anderen Stelle z.B. die Augenbrauen nicht hochgezogen sein dürfen, da sonst der Inhalt nicht mehr stimmig wäre. Aber ich habe mich bemüht, die Figuren in ihren Eigenheiten so darzustellen, dass dem Zuschauer deutlich wird, dass Frederic eher frech, Josie eher schüchtern, Prof. Hacke eher distinguiert ist usw.

 

Wie lange hatten Sie sich auf die Aufnahme vorbereitet?

Zwei Tage, zwei Nächte und einen gesamten Flug zum Drehort ;)

 

War es überhaupt möglich die Wortwitze der Figuren in Gebärdensprache rüberzubringen?

Die Wortwitze habe ich versucht, so gut wie möglich, in DGS zu übertragen. Manchmal war es hierzu notwendig, das eigentliche Wort ein wenig so zu verändern, dass der Witz in DGS wieder einen Sinn ergibt. Ein andermal habe ich Fingeralphabet eingesetzt, um deutlich zu machen, dass es um das Vertauschen von Buchstaben geht. Und an wieder anderen Stellen habe ich nach Absprache mit Sascha zusätzlich eine Erklärung eingefügt, wenn der Witz z.B. ausschließlich durch Ton oder Klang zustande kommt.

Es ist selbstverständlich, dass nicht JEDER Wortwitz gleichermaßen gut übersetzbar ist, da DGS nun mal eine eigene Sprache mit einer eigenen Grammatik und eigenen Worten ist. Das kann und sollte auch nicht der Anspruch an diese Verdolmetschung sein. Das, was Sascha und seine Puppets sagen, ist nun für den gehörlosen Zuschauer zugänglich. Das war das erste Ziel meiner Arbeit – und ich denke, das ist mir gelungen :)

 

Was waren im Programm die größten Herausforderungen beim Dolmetschen?

Ja, wie gesagt, mir zu überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, die Wortwitze so gut wie möglich in die DGS zu übertragen. Und zum anderen die Geschwindigkeit, mit der, der eine oder andere Dialog abläuft. Bei einfachen Dialogen mit zwei Beteiligten ist das ja noch gut machbar. Aber sobald mehr als zwei Teilnehmer in einem Dialog sind und man den dritten oder gar vierten Teilnehmer gar nicht sieht, sondern nur die Stimme aus dem Hintergrund hört, war es nicht so einfach, mir einen passenden Body-Shift (= Rollenwechsel bei Dialog) zu überlegen, der dem gl Zuschauer sofort und in dieser Geschwindigkeit deutlich macht, wer nun gerade spricht.

 

Ich bedanke mich bei Ihnen für das Interview und wünsche Ihnen ganz viel Erfolg mit der neuen DVD!

 

Text: Judit Nothdurft

Bild: Sascha Grammel

 

 

 
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