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Experten-Interview September 2013



Deaflympics 2013: Goldjunge -  Urs Breitenberger

 

Vom 25.07.-04.08.2013 fanden die Deaflympics in Sofia statt. Die deutschen Sportler gewannen insgesamt 14 Medaillen. Von den drei deutschen Goldmedaillen brachte der  25-jährige Tennisspieler Urs Breitenberger zwei heim und war damit einer der erfolgreichsten Sportler der Delegation.

 

Judit Nothdurft: Wie fühlt es sich an mit zwei Goldmedaillen in der Tasche nach Hause zu kommen?

Urs Breitenberger: Oh, es fühlt sich toll an! Es sind meine ersten Olympia-Medaillen! Ein grandioser Erfolg. Auch wenn es im Einzel nicht so geklappt hat, wie ich es mir gewünscht habe.

 

Im Doppel hast du mit Hans Tödter gegen die Top-gesetzten Franzosen Mikael Laurent und Vincent Novelli gewonnen. 2012 im EM-Finale habt ihr gegen die beiden verloren. Hast du jemals mit diesem Sieg gerechnet oder war es auch für dich eine Überraschung?

Letztes Jahr hatte mein Doppelpartner eine Schulterverletzung gehabt, daher lief die Vorbereitung nicht optimal. Trotzdem hatten wir die Chance, nach einer 5:2 Führung zu gewinnen. Dann kam eine Regenpause, die uns aus dem Rhythmus brachte.

Dieses Jahr haben wir uns sehr gut vorbereitet. Wir waren fit und perfekt eingespielt, auch die Tagesform war klasse. Es hat einfach alles gepasst. Die Franzosen galten als unschlagbar und spielten auf einem sehr hohen Niveau. So gesehen war es eine Überraschung und ein großer Erfolg, dass wir die Goldmedaille geholt haben.

 

Was viele nicht wissen, hinter deinem Erfolg stecken viele Jahre harter Arbeit…

Ich fing als Fünfjähriger mit dem Tennis an, nebenbei spielte ich Fußball, trainierte Judo und Handball. Mit 15 Jahren konzentrierte ich mich nur noch aufs Tennis. Seitdem trainiere ich jeden Tag 2-4 Stunden Tennis, hinzu kommt noch Konditionstraining. Zu Hause mache ich oft noch zusätzlich Krafttrainingsübungen. An den Wochenenden spiele ich dann die Turniere oder Punktspiele für die Mannschaft.

 

Die Deaflympics in Sofia waren nicht deine ersten Olympischen Spiele aber die erfolgreichsten?

Meine ersten Deaflympics waren 2005 in Melbourne. Aber bis jetzt hatte ich leider oft Pech bei den Gehörlosen-Wettkämpfen.

2005 in Melbourne kam ich ins Viertelfinale. Einen Tag vorher bekam ich im Achtelfinale gegen Oliver Karlik einen Sonnenstich mit einem Kreislaufkollaps. Daher ging es mir im Viertelfinale nicht besonders gut, meine Kräfte waren nicht ausreichend und ich verlor das Spiel.

2009 in Taiwan musste ich während des Turniers aufgeben, weil ich einen lebensgefährlichen allergischen Schock (wegen Erdnuss-Allergie) erlitt. Mir ging es ganz schlecht und ich bekam Infusionen. Am Tag des entscheidenden Herrendoppels gegen die Australier James Swann und Graig Findell, musste ich mich wegen dieser medikamentösen Behandlung zurückziehen, um mich vor einer Sperre zu schützen.

 

Eine Sperre, warum? Du musstest doch behandelt werden?

Ja, aber das Medikament, das ich in den Infusionen bekam, stand auf der Dopingliste. Bei einer Kontrolle hätte ich mit einer Sperre von zwei Jahren plus Geldstrafe rechnen müssen.

 

Was war in Sofia besonders schön für dich?

Also diese Spiele kann man mit Melbourne oder Taiwan nicht vergleichen, die Spiele dort waren einfach einmalig.

Die Organisation war in Sofia schon ganz gut, aber die Austragungsstätten nicht überall optimal. Zum Beispiel bei der Abschlussfeier war es nicht so toll. Man muss allerdings auch bedenken, dass der bulgarische Verband für die Vorbereitungen nur 10 Monate Zeit hatte. Es war eine sehr kurze Zeit, um alles perfekt zu machen. Daher war es schon beeindruckend, was sie in dieser Zeit alles geschafft haben.

 

Wir übernachteten im Hotel Kempinski mit tollem Service und das Essen war auch ganz gut. In Sofia spielten wir auf Asche (in Taiwan auf Hartplatz); also die Tennisplätze waren nicht so optimal. Aber die Organisatoren und die Schiedsrichter waren klasse, sehr freundlich und hilfsbereit.

 

Die Eröffnungsfeier war in einer Sporthalle, die ordentlich aussah. Es war ganz gut. Diesmal kamen aus der ganzen Welt über 4.000 Sportler. 1.000 mehr als in Taiwan! Damit hatten diese Spiele die höchste Teilnehmerzahl in der Geschichte der Deaflympics. Die Delegationen kamen aus 91 Ländern, 20 mehr als in Taiwan. Es war unglaublich!

 

Auch das Leistungsniveau ist stark gestiegen. Der Maßstab wird immer höher gelegt, so dass wir Deutschen viel härter trainieren müssen als früher. Für uns ist es ist nicht leicht, neben Ausbildung, Studium oder acht Stunden Arbeit, auch noch Leistungssport zu machen. Da haben es die Sportler in anderen Ländern deutlich besser, z. B in Russland bekommen die Sportler für eine Goldmedaille 150.000 Euro, anderswo gibt es als Prämie ein Haus plus 30.000 Euro. In Asien spricht man dieses Jahr man von einer Sportrente.

 

Hast du auch was von der Stadt gesehen?

Mir blieb leider nicht viel Zeit, um die Stadt anzuschauen. Aber es war für mich eine ganz neue Erfahrung, dass fast alle Taxis mit Autogas fuhren. Die Gasbehälter bauten sie selbst in den Kofferraum ein, so gab es oft keinen Platz mehr für unsere Tennistaschen. Wir hielten sie dann während der Fahrt auf dem Schoß.

 

Deine Freundin war auch in Sofia…

Ja, sie war als Leichtathletik-Teilnehmerin dabei und wenn der Zeitplan passte, konnten wir einander gegenseitig anfeuern. Leider nicht immer!

 

Zur Medaille gibt es auch eine kleine „Finanzspritze“. Wie viel Geld bekommen diesmal die Medaillengewinner?

Wie viel Geld die Medaillengewinner bekommen werden, wird erst im September entschieden. Ich denke so um die 900 Euro. Ich habe keine Ahnung, wie viel ich für meine Leistung erhalten werde. Ich musste ja nur für die Teilnahme an den Deaflympics auch 300 Euro selbst zahlen.

 

Wie geht es jetzt sportlich für dich weiter? Welche Ziele hat man noch als zweifacher Olympiasieger? Welchen Platz hast du jetzt auf der Weltrangliste?

Ich habe noch viele große Ziele. So möchte ich zum Beispiel bei den Hörenden auf der Rangliste vorankommen Bei den Hörenden stehe ich auf der Liste des DTB auf Platz 383. Mein Ziel ist mal unter die ersten 150 zu kommen. Die Leistung ist nicht das Problem, sondern die Zeit fehlt mir, da die Turniere auch unter der Woche stattfinden, wo ich arbeiten muss.

Ein weiteres Ziel ist natürlich, meine Titel in vier Jahren zu verteidigen. 2015 finden die ersten Weltmeisterschaften im Einzel, Doppel und im Mixed statt; da möchte ich auch mit einer guten Platzierung dabei sein.

 

Hat dein Erfolg eine Auswirkung auf Werbeverträge oder auf Sponsoren? Da du für deinen Sport auch einiges selbst finanzieren musst, würdest du dich bestimmt über Sponsoringverträge freuen…

Bis jetzt hat mein Erfolg leider keine besonders große Auswirkung auf Werbe- oder Sponsoringverträge gehabt. Aber ich hoffe, dass sich dies ändert. Seit diesem Jahr habe ich einen tollen Förderer, die Lotto-Stiftung Rheinland-Pfalz die mich durch den GSV Rheinland-Pfalz unterstützt. Sie tragen meine Trainingskosten, Materialen, Startgebühren, bis zu einem bestimmten Betrag. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Eine weitere Unterstützung erhalte ich vom BMI (=Bundesministerium des Innern) über den DGSV. Von der Tennisausrüster-Firma Babolat bekomme ich meine Tennismaterialien.

Trotzdem habe ich noch immer viele Kosten, die ich selbst zahlen muss, wie Fahrten, Trainingskosten, Material, Übernachtungen, Ernährung, Startgelder für Turniere, Verpflegung am Turnierort usw.

 

Was sind die Trainingskosten?

Na ja, dies sind die Kosten für den Tennistrainer und den Tennisplatz. Eine Stunde Training kostet bei einem speziellen Trainer oft über 50 Euro. Außerdem muss ich für den Hallenplatz zahlen; der kostet 17 Euro pro Stunde. Da der Winter länger ist als der Sommer, geht ganz schön Geld darauf.

Jahrelang haben mich meine Eltern unterstützt; ohne sie hätte ich es nicht geschafft! Seit meiner Ausbildung muss ich selber zahlen, aber meine Eltern stehen immer noch hinter mir. Ich bin ihnen sehr dankbar!

Natürlich würde ich mich über weitere Sponsoringverträge freuen, sodass ich mich weiterentwickeln kann.

 

Was machst du beruflich?

Beruflich arbeite ich bei der Westnetz GmbH, die zur RWE AG gehört, als Elektroniker für Betriebstechnik, Energieverteilungsnetzeanlagen.

 

Weltmeisterschaften, Deaflympics, deutsche Titelkämpfe, Trainingslager – du bist sehr viel unterwegs. Bleibt da noch etwas Freizeit? Wenn ja, was machst du dann am liebsten?

Ja, es bleibt noch was übrig. In dieser Zeit unternehme ich etwas mit meiner Freundin, die ebenfalls Leistungssportlerin ist. Daher respektieren wir uns gegenseitig.

Am liebsten unternehme ich etwas mit meinen Freunden, fliege gerne in den Urlaub und erhole mich dann super von meinem Sport.

 

Vielen Dank für das Interview und wir drücken weiter die Daumen!

 

 

Text: Judit Nothdurft

Bild: Urs Breitenberger

 

 
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