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Experten-Interview Januar 2014



Kostenloser Notruf für Hörbehinderte

 

Seit Dezember 2013 können Notrufe von hörbehinderten Menschen bundesweit und kostenlos über die Tess – Relay-Dienste telefonisch abgesetzt werden. Wie dies genau funktioniert, erklärt uns Tess-Geschäftsführerin Sabine Broweleit.

 

Frau Broweleit, lange haben Hörbehinderte auf diesen Tag gewartet, wie waren die Reaktionen nach der Pressemeldung?

Sabine Broweleit: Durchweg positiv. Viele Verbände haben die Meldung aufgegriffen und berichten darüber. Und die Anzahl der Notrufkunden steigt von Tag zu Tag.

 

Kann jeder diese Notrufleistung in Anspruch nehmen oder muss er dazu als Kunde registriert sein?

Man muss als Kunde registriert sein und zwar aus drei Gründen:

Durch die Angabe der Adresse können wir den Notruf an die richtige Notrufleitstelle vermitteln.

Durch die Registrierung kann der Notarzt, Polizei oder Feuerwehr im Bedarfsfall zurückrufen.

Sollte der Anrufer nicht mehr in der Lage sein, seinen Standort zu übermitteln, können wir die Rettungskräfte an die registrierte Adresse schicken.

 

Was kostet eine Registrierung als Notrufkunde?

Die Registrierung und auch Notrufe selbst sind selbstverständlich kostenlos. Hierfür haben wir einen besonderen Notruftarif eingeführt.

 

Angenommen ich lasse mich bei Ihnen als Notrufkunde registrieren. Was muss ich anschließend tun, um Tess zu erreichen?

Sie haben verschiedene Möglichkeiten, uns zu erreichen: Nach der Anmeldung erhalten Sie von uns die Zugangsdaten zu unseren Relay-Diensten. Um uns mit einem PC anzurufen, benötigen Sie unsere kostenlose Software myMMX. Sie steht auf unserer Homepage als Download zur Verfügung. Um uns mit mobilen Endgeräten anzurufen, benötigen Sie neben den Zugangsdaten, die App Bria. Diese müssen Sie zusätzlich im App Store oder Play Store einmalig kaufen.

 

Kann man nach der Softwareinstallation auf dem Smartphone oder auf dem PC einen Testanruf starten?

Natürlich. Das empfehlen wir unseren Kunden sogar. Sie können den kostenlosen Spiegel anrufen oder unseren kostenlosen Support in Gebärdensprache- und Schriftsprache. Beide sind im Adressbuch eingetragen.

 

Mit welchen Endgeräten kann ich einen Notruf bei Ihnen abgeben?

Sie können uns mit PC, SIP-Telefon, Tablet-PC oder Smartphone erreichen. Wichtig ist, dass Sie für alle Verbindungen einen Internetzugang benötigen.

 

Um sicher zu gehen, sollte man also nicht nur auf dem PC daheim, sondern auch auf dem Smartphone die notwendige Software von Tess installieren….

Sie können als Notrufkunde neben dem PC natürlich auch zusätzlich Ihr Smartphone oder Ihren Tablet-PC für die Tess-Relay-Dienste einstellen. Dann haben Sie auch unterwegs die Möglichkeit, uns zu erreichen.

 

Wie kann ein Notruf abgegeben werden, per Video, per Text oder als SMS?

Per Video, per Text und mit Voice Carry Over. Die Vermittlung geht über unsere Relay-Dienste TeSign in Gebärdensprache oder TeScript in Schriftsprache oder mit Voice-Carry-Over – Lesen & Sprechen. Sie rufen in jedem Fall zuerst einen Dolmetscher von Tess an. Unsere Dolmetscher verbinden Sie telefonisch mit der zuständigen Notrufleitstelle und übersetzen das Telefonat für beide Seiten.

 

Nehmen wir eine Situation, zum Beispiel habe ich einen Verkehrsunfall mit Verletzten. Was muss ich tun, um Hilfe zu bekommen? Wie ist der Ablauf? Welche Informationen muss ich Tess mitteilen?

Wählen Sie die in Ihrem Adressbuch eingetragene Notrufnummer über den gewünschten Relay-Dienst TeSign oder TeScript. Sie werden umgehend mit einem Dolmetscher verbunden. Das bedeutet, alle Dolmetscher, die gerade im Einsatz sind, sehen den eingehenden Notruf und beenden dann ggf. das laufende Gespräch, um den Notruf anzunehmen. Der Dolmetscher fragt Sie dann, wo Sie sich gerade befinden bzw. wo der Notfall passiert ist. Diese Information benötigt er, um Sie mit der zuständigen Notrufleistelle verbinden zu können.

Sobald Sie mit einem Mitarbeiter in der Notrufleitstelle verbunden sind, übersetzt der Dolmetscher Ihren Notruf. Sagen Sie dem Mitarbeiter in der Notrufleitstelle folgende Dinge:

  • Wo ist etwas geschehen?
  • Was ist geschehen?
  • Wie viele Personen sind beteiligt/verletzt?
  • Welche Art der Erkrankungen/Verletzungen/Schäden liegt vor?
  • Warten auf Rückfragen.

 

Bekomme ich auch eine Antwort, ob Polizei oder Notarzt jetzt kommen oder dass ich evtl. warten muss?

Ja natürlich. Es ist ein normales Telefonat mit direkter Rückantwort. Der Dolmetscher ist nur Vermittler des Gespräches.

 

Zurzeit ist Tess von 8:00 bis 23:00 Uhr erreichbar. Wird es möglich wenigstens den Notrufdienst rund um die Uhr einzurichten?

Zurzeit ist es nur in unseren Öffnungszeiten möglich. Dies wird auf jeden Fall bis Ende 2014 so bleiben. Die Tess – Relay-Dienste stellen die Vermittlungsdienste für hörgeschädigte Menschen im Auftrag der Bundesnetzagentur und führenden Telekommunikationsdiensten zur Verfügung. Die Bundesnetzagentur entscheidet dabei über den Umfang und den Versorgungsgrad der Relay-Dienste. Dies beinhaltet auch die Öffnungszeiten von Tess. Diese sind für die jetzige Auftragsperiode, also bis Ende 2014 festgelegt. Ob sich in der nächsten Ausschreibung etwas ändern wird, können wir nicht voraussagen. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall.

 

Vielen Dank für die wertvollen Informationen!

 

Text: Judit Nothdurft

Bild: Sabine Broweleit

 
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