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Experten-Interview Januar 2015



Eine gravierende unerwünschte Wirkung mancher Antibiotika ist die Schädigung des Hörvermögens

 

Über die Risiken der Einnahme von Antibiotika und über Medikamentenabhängigkeit habe ich Prof. Gerd Glaeske interviewt. Er leitet an der Universität Bremen die Abteilung für Gesundheitspolitik und Versorgungsforschung und ist ein gefragter Arzneimittelexperte.

 

Wie jedes Jahr um diese Zeit laufen bereits viele von uns mit erkältungsbedingten Infektionen herum. Ist es sinnvoll in solchen Fällen Antibiotika zu nehmen oder gibt es andere Therapiemöglichkeiten?

Prof Dr. Gerd Glaeske: Erkältungsbedingte Infektionen sind zu fast 90% durch Viren ausgelöst. Da aber Antibiotika nur bei bakteriell bedingten Infektionen helfen, ist es überflüssig und auch nicht sinnvoll, bei den üblichen Erkaltungsinfektionen Antibiotika einzunehmen. Sie wirken nicht, wenn z.B. eine akute Bronchitis oder auch Halsentzündungen durch Viren ausgelöst werden. Sie behalten aber ihre unerwünschten Wirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, evtl. Durchfall und Allergien. Und vor allem tragen unnötig geschluckte Antibiotika dazu bei, dass sich das Resistenzproblem vergrößert, wenn Bakterien in unserem Körper mit Antibiotika in Kontakt kommen.

Bei Erkältungsinfektionen sollte man entscheiden, welches Symptom besonders lästig ist. Bei verstopfter Nase können z.B. abschwellende Nasentropfen oder Sprays, möglichst ohne Konservierungsstoffe, helfen. Wichtig ist es auch, viel zu trinken, z.B. Tees. Auch das Lutschen von Bonbons kann lindernd wirken. Es bildet sich dadurch mehr Speichel, der festsitzenden Schleim lösen und entzündungshemmend wirken kann.

Gegen Kopf- und Gliederschmerzen helfen kurzfristig z.B. Schmerzmittel mit Ibuprofen, Azetylsalicylsäure oder Paracetamol. Ansonsten: Abstand halten von Menschen, die infiziert sind, häufig die Hände waschen, um keine Viren auf Schleimhäuten im Gesicht zu verteilen, Türklinken immer mal wieder abwischen. Auch Inhalieren tut gut: Heißes Wasser in einen Topf geben, z.B. ätherische Öle wie Eucalyptus- oder Latschenkiefernöl hineintropfen, Handtuch über den Kopf und den heißen Dampf über 5 bis 10 Minuten einatmen. Das wirkt bei vielen Menschen  wohltuend und befreiend.

 

Stimmt es, dass Antibiotika zu häufig verordnet und zu hoch dosiert eingesetzt werden?

Leider werden Antibiotika noch immer zu häufig in Indikationen (=in Krankheitssituationen) verordnet, in denen sie nicht erforderlich sind. Untersuchungen zeigen, dass etwa 1/3 dieser Arzneimittel bei Infektionen verschrieben werden, die viral bedingt sind und daher nicht mit Antibiotika behandelt werden müssen.

Ärzte erklären diese Verordnungen häufig mit den Erwartungen und Wünschen der Patienten selber oder der Eltern von Kindern. Sie betonen auch oftmals und fast entschuldigend, dass sie die Antibiotika zur Beruhigung der Eltern von kranken Kindern verordnen. Damit verfestigt sich aber in der Öffentlichkeit die Meinung, dass Antibiotika auch bei virusbedingten Infekten helfen.

Es ist daher kein Wunder, dass im Rahmen einer repräsentativen Befragung etwa 40% der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland meinen, dass Antibiotika auch bei Virusinfekten helfen. Sonst würden Ärztinnen und Ärzte solche Mittel doch nicht verordnen. Dazu kommt: Wenn solche Antibiotika in zu hoher Dosierung verordnet werden, bleiben vor allem unerwünschte Wirkungen, aber kein Nutzen.

 

Oft geht es dem Kranken nach der Einnahme von Antibiotika besser und er bricht die Therapie ab. Was passiert, wenn man die verschriebene Packung nicht zu Ende nimmt?

Wenn eine bakterielle Infektion mit Antibiotika behandelt werden muss, z.B. eine Lungenentzündung, dann ist es wichtig, diese Mittel über einen so langen Zeitraum und in einer solchen Dosierung einzunehmen, wie die Ärztinnen und Ärzte es empfohlen haben. Wenn man die Einnahme früher beendet, weil es einem schon besser geht, dann verkennt man den Effekt, dass viele Bakterien noch weiter existieren und die Infektion nach kurzer Zeit wieder, möglicherweise schlimmer als vorher auftritt. Daher sollten Antibiotika nie selber entgegen den Empfehlungen der Ärzte vor der verordneten Zeit abgesetzt werden.

 

Ältere Menschen oder chronisch Kranke müssen ständig Medikamente nehmen. Wenn sie parallel dazu auch noch Antibiotika bekommen, kann es zu Wechselwirkungen kommen?

In der Tat kann es immer dann zu Problemen kommen, wenn Menschen schon viele Arzneimittel zur Behandlung von chronischen Krankheiten einnehmen müssen und dann wegen einer akuten bakteriellen Infektion noch Antibiotika hinzukommen. Dadurch steigt die Gefahr von Wechselwirkungen an.

Wir sprechen davon, dass bis zu 5 Arzneimittelwirkstoffen noch gut vom Organismus „verstoffwechselt“, also abgebaut werden können. Bei mehr Wirkstoffen nebeneinander steigt das Risiko für u.U. problematische und auch gefährliche Wechselwirkungen deutlich an. So kann z.B. die Wirkung von Tetracylinen deutlich abgeschwächt werden, wenn gleichzeitig Eisenpräparate eingenommen werden, das Gleiche gilt für die Einnahme mit Milch. Penizilline können zusammen mit Allopurinol, einem Gichtarzneimittel, häufiger zu allergischen Reaktionen führen. Antibiotika wie Erythromycin oder Azithromycin können, zusammen mit Ciclosporin eingenommen (wird eingesetzt bei rheumatoider Arthritis oder nach Organtransplantationen) zu einer verstärkten Nierenschädigung führen.

Wechselwirkungen sind also ein wichtiges Problem, Ärzte und Apotheker sollten daher verständlich darüber informieren.

 

Gibt es Antibiotika, die Hörschädigung verursachen, die Hörgeschädigte auf keinen Fall einnehmen sollten oder die bei einer Narkose nicht verabreicht werden sollten?

Eine gravierende unerwünschte Wirkung von Antibiotika ist die Schädigung des Hörvermögens. Bekannt ist dies vor allem nach der Gabe von Antibiotika mit den Wirkstoffen Neomycin, Netilmycin, Chloramphenicol, Streptomycin oder auch Vancomycin, um nur einige zu nennen. Diskutiert werden auch Hörschädigungen durch Tetracycline, Azithromycin oder Erythromycin. Es ist also immer ratsam, den Beipackzettel zu lesen oder in der Apotheke nachzufragen.

 

Was bedeutet eigentlich Medikamentenabhängigkeit und was sind die Anzeichen?

Die Arzneimittelabhängigkeit ist letztlich auch eine unerwünschte Wirkung bei der Anwendung bestimmter Arzneimittel, vor allem von Schlaf- und Beruhigungsmitteln wie Adumbran, Dalmadorm. Mogadan, Rohypnol, Valium oder Mitteln mit den Wirkstoffen Zolpidem oder Zopiclon.

Wenn diese Mittel über längere Zeit (4 – 6 Wochen „am Stück“) eingenommen werden, kommt es bei vielen Menschen beim Absetzen dieser Mittel zu Entzugserscheinungen, z.B. zu Unruhe, Schlafstörungen, Schwitzen, Aggressionen oder Herz-Kreislaufproblemen. Viele Menschen, die solche Symptome spüren, haben den Eindruck, dass ihre Probleme, die zu der Verordnung dieser Mittel geführt haben, weiter bestehen – sie lassen sich diese Mittel daher weiter verschreiben. Damit geraten sie aber immer mehr in den Teufelskreis der Abhängigkeit. Die Entzugserscheinungen sind nämlich die ersten Hinweise darauf, dass sich der Körper an diese Mittel bereits gewöhnt hat und dass sie weiter eingenommen werden müssen, um Ruhe vor den Entzugssymptomen zu haben. Leider verordnen viele Ärztinnen und Ärzte solche Mittel auch über lange Zeit, die Arzneimittelabhängigkeit verfestigt sich damit mehr und mehr.

Von einer Arzneimittelabhängigkeit sind vor allem ältere Menschen, insbesondere ältere Frauen betroffen. Allein von Schlaf- und Beruhigungsmitteln sind es etwa 1,2 – 1,5 Millionen Menschen insgesamt in Deutschland. Im Grunde beginnt dieses Problem leider sehr oft in der Arztpraxis. Es wird nicht sorgfältig genug darauf geachtet, wie lange wem welche Mittel verordnet werden. Die Grenze der Verordnungszeit liegt nämlich zumeist bei 8 – 14 Tagen.

Letztlich kommt man von einer Arzneimittelabhängigkeit nicht so einfach los. Viele Menschen nehmen solche Präparate schon über Jahre, damit sie die Entzugserscheinungen vermeiden. Der Preis für diese Strategie: Ihre Sprache wird verwaschener, ihre Konzentrations- und Kommunikationsfähigkeit sinkt, ihr Denk- und Aufmerksamkeitsvermögen wird eingeschränkt, ihre Persönlichkeit verändert sich.

Daher: Vorsicht im Umgang mit Schlaf- und Beruhigungsmitteln, die abhängig machen. Lassen Sie sich in den Apotheken über ein mögliches Abhängigkeitsrisiko informieren und beraten.

 

Ist Medikamentenabhängigkeit heilbar? Wenn ja, wie? Wer ist der beste Ansprechpartner in diesem Fall?

Es gibt immer wieder Menschen, die von einer Medikamentenabhängigkeit los kommen. Das funktioniert aber zumeist, wie bei der Alkoholabhängigkeit, nur im Rahmen einer stationären Entwöhnungsbehandlung. Daher sollten Ärztinnen und Ärzte angesprochen werden, die sich mit dieser Sucht auskennen. Auch hier können Sie in der Apotheke um Rat fragen. Vor allem sollten Sie ganz offen mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer Ärztin über dieses Problem sprechen und gemeinsam nach einer Lösung für den Umgang mit einer bestehenden Arzneimittelabhängigkeit suchen.

 

Welche Tipps haben Sie für unsere Leser, um gesund durch den Winter zu kommen?

Es sind die eigentlich bekannten Tipps, die Sie beachten sollten. Gehen Sie pfleglich mit ihrem Immunsystem um: Ausreichend Schlaf und Ruhe ist ebenso wichtig wie gute Ernährung mit ausreichend Obst und Gemüse. Auch wenn im Winter das Angebot an Obst aus der Region nicht so umfangreich ist: Äpfel und Birnen sind immer verfügbar, ergänzen Sie das Obst mit Nüssen, kochen Sie Gemüse und Kartoffeln, versuchen Sie also, sich ausgewogen zu ernähren.

Wenn Sie dann noch ein wenig Bewegung haben, auch an kühleren Tagen Spaziergänge machen, Schwimmen gehen oder Wandern, dann wird Ihr Immunsystem stark genug sein, auch die Winter- und Erkältungszeit gut zu überstehen.

Gesundheit kommt eben nicht von alleine, ein wenig müssen Sie schon nachhelfen, wenn Sie gesund durch den Winter kommen wollen. Ich wünsche es Ihnen!

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Text: Judit Nothdurft

Bild: Prof Dr. Gerd Glaeske

 

 
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