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Experten-Interview Mai 2015



Ganz wichtig – die Gefühle des Anderen zu verstehen

 

Dr. Oliver Rien und Ursula Zeh beraten ihre Klienten in Nürnberg zu Ehe- und Partnerschafts-, Familien- und Lebensfragen in Deutscher Gebärdensprache.

 

Dr. Rien, Ihr neuer Arbeitsplatz in Nürnberg ist eine inklusive Beratungsstelle. Was bedeutet das genau?

Dr. Oliver Rien: Die Beratungsstelle ist eine Beratungsstelle für normal hörende Menschen. Bisher gab es dieses Angebot für hörgeschädigte Menschen nicht. Und da haben wir dieses Angebot inklusiv gestaltet. Das bedeutet auch Hörgeschädigte können barrierefrei  psychologische Beratung in Anspruch nehmen. Barrierefrei bedeutet in diesem Fall, dass entweder die Beratung in Gebärdensprache erfolgt oder dass technische Hilfsmittel schwerhörigen und CI- Trägern die Kommunikation in der Beratung erleichtern oder ermöglichen.

 

Was sind die Vorteile dieser Beratungsstelle gegenüber anderen Beratungsstellen für Hörbehinderte / Gehörlose?

Es genügt nicht, dass die Beratungsstelle durch den Einsatz von Gebärdensprache oder technische Hilfsmittel barrierefrei ist. Da könnte man ja auch mit Gebärdensprachdolmetscher Beratung machen. Das Besondere an dieser Beratungsstelle ist, dass wir beide - Ursula Zeh und ich - viel Wissen über die Bedürfnisse und über die besondere Biografie hörgeschädigter Menschen haben. Diese Kenntnisse sind eine notwendige Grundlage für eine kompetente Beratung. Ein besonderer Vorteil ist auch der Standort. Dadurch, dass es eine Beratungsstelle für normal hörende Menschen ist, ist die Wahrscheinlichkeit auf andere hörgeschädigte Klienten zu treffen, sehr gering, d.h. wir können gut die Anonymität wahren.

Ein weiterer Vorteil: Man muss sich nur einen Termin holen und die Beratung kann losgehen. Man braucht keine Überweisung vom Arzt und die Wartezeit ist im Moment auch nicht lange. Übrigens, das gleiche Angebot gibt es auch in Würzburg an der Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen. Dort berät Gudrun Heid die Menschen mit Hörschädigung.

 

Sind die Beratungen kostenlos? Wie lange dauern die Beratungssitzungen und wieviele können in Anspruch genommen werden?

Ja, die Angebote sind kostenlos. Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration gefördert. Eine Beratungsstunde dauert in der Regel 60 Minuten. Für das Erstgespräch nehmen wir uns 90 Minuten Zeit, bei den Paargesprächen kann es auch 90 Minuten oder länger dauern. In der Regel finden zwischen 5-15 Gespräche statt, es können aber auch mehr oder weniger sein. Das hängt vom Einzelfall ab und das entscheidet der Berater gemeinsam mit den Klienten.

 

Bieten Sie Beratungen nur vor Ort oder auch über bspw. Skype an?

Wir bieten Gespräche vor Ort an. Wenn Klienten, die Gebärdensprachnutzer sind, weit weg wohnen und nicht regelmäßig nach Nürnberg (oder Würzburg) kommen können, bieten wir Beratung über Skype. Die Klienten müssen auf jeden Fall in Bayern wohnen, weil der bayerische Staat die Beratung finanziell unterstützt.

 

Wie funktioniert Beratung über Skype?

Zum ersten Gespräch muss das Paar oder die einzelne Person nach Nürnberg kommen. Da besprechen wir, was das Problem ist und prüfen, ob die Kommunikation über Gebärden klappt. Wenn dies der Fall ist und die Klienten eine gute und leistungsstarke Internetverbindung haben, können die nachfolgenden Beratungsgespräche über Skype laufen.

 

Bei bestimmten Problemfällen reichen die Beratungsgespräche nicht aus, was passiert dann?

Wir schauen genau auf den Grund der Beratung. Wenn es z.B. um Probleme am Arbeitsplatz geht und um Hilfsmittelausstattung, dann verweisen wir auf den IFD. Oder wenn ein psychiatrisches Problem vorliegt, muss auch noch ein Arzt hinzugezogen werden. Oft bespricht man dann gemeinsam, welche Hilfe nötig ist.

 

Therapieren Sie auch?

Wir machen keine Psychotherapie, die von einem Arzt verordnet und von der Krankenkasse bezahlt wird. Aber die Beratung hilft oft dabei, dass man sich besser und stärker fühlt, dass man seine eigenen Fähigkeiten erkennen und einsetzen kann, dass man sich selbst besser helfen kann. Wir arbeiten oft ähnlich wie in einer Psychotherapie: Es geht um die eigenen Gefühle und Wünsche, um die eigenen Ängste und Bedürfnisse, es geht darum sich selbst weiter zu entwickeln.

 

Belästigung oder Mobbing am Arbeitsplatz sind Themen, die viele gehörlose Arbeitnehmer beschäftigten. Welche konkreten Hilfen bieten Sie hier? Wie gehen Sie bei solchen Fragen in der Beratung vor?

Wir versuchen zunächst einen Überblick zu bekommen. Dann schauen wir, ob es eigene Anteile am Konflikt gibt. Das können Defizite oder Mängel in der sozialen und/oder emotionalen Kompetenz sein. Da versuchen wir dann in Rollenspielen den Hörgeschädigten zu stärken und zu ermutigen, beim nächsten Mal zu einem besseren Gefühl zu kommen und selbstsicherer mit der Situation umzugehen.

 

Welche Tipps können Sie für unsere Leser zur gewaltfreien Konfliktlösung mit Kollegen geben?

Oft kommt schnell ein negatives Denken, wie zum Beispiel: "Der hörende Kollege ist böse " oder "Der mag mich nicht" oder " Ich werde gemobbt". Wenn ich so denke, verhalte ich mich auch so, z.B. ich bin aggressiv oder ich ziehe mich zurück und oft merke ich das nicht. Man kann auch anders denken. Z.B.: „Der Kollege kann nicht gebärden. Er weiß nicht, wie er mit mir kommunizieren kann. Deswegen ist er ganz hilflos und unsicher, er hat Angst und kommt in Stress.“

Wenn man so denkt, dann sieht man den Kollegen nicht mehr als Gegner und man verhält sich ganz anders, z.B. ist man viel offener, man bemüht sich selbst auch mehr, man kann gemeinsam eine Lösung suchen. Oft hilft es, zum IFD zu gehen, wenn die Probleme beginnen, viele gehen erst zum IFD, wenn schon ganz viel Ärger da ist. Da ist es oft zu spät.

 

Was sind die Grundsätze einer guten Kommunikation?

Sehr wichtig ist eine respektvolle Kommunikation. Dazu gehört z.B.:

 

·      den Gesprächspartner ausreden lassen

·      keine Schimpfworte zum Gesprächpartner sagen

·      die Gefühle des Gespärchpartners nicht verletzen

·      die Meinung des Anderen respektieren, auch wenn man eine andere Meinung hat

 

Ganz wichtig ist auch, dass ich versuche, mich in den Anderen einzufühlen, d.h. dass ich die Gefühle des Anderen verstehe und nicht versuche, diese Gefühle zu verändern.

 

Kann man emotionale und soziale Kompetenzen fördern?

Viele Hörgeschädigte haben z.B. Probleme, sich in andere Menschen einzufühlen, sie wissen nicht, wie man Lösungen in Konflikten finden kann usw. Grund dafür ist, dass die Kommunikation mit den Eltern nicht gut funktioniert hat. Die emotionalen und sozialen Fähigkeiten sind aber sehr wichtig, um gute Beziehungen mit dem Partner, mit den Kindern, aber auch mit Kollegen und Freunden zu haben.

Wenn wir sehen, dass es viele Konflikte gibt, fördern und stärken wir die emotionale und soziale Kompetenz, z.B. durch Rollenspiele.

 

Sie beraten auch bei Fragen zu Ehe-, Partnerschafts- und Familienkonflikten ...

Ja, das ist unser Schwerpunkt. Wir beraten z.B., wenn man in der Ehe oder Partnerschaft unglücklich ist, oder wenn es viel Streit in der Familie gibt, oder wenn man Probleme mit den Kindern hat oder … oder … oder…

 

Mit welchen Stellen arbeiten Sie zusammen?

Wir haben ein starkes Netzwerk im Hörgeschädigtenbereich (Sozialarbeit, Seelsorge, IFD, usw.). Aber wir haben Schweigepflicht, d.h. niemand erfährt von uns, wer zur Beratung kommt. Manchmal hilft es den Klienten, wenn wir mit anderen Diensten zusammenzuarbeiten. Das machen wir aber nur, wenn uns die Klienten das erlauben.

 

Vielen Dank für das Interview!

Text: Judit Nothdurft

Bild: Dr. Oliver Rien

 
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