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Experten-Interview Mai 2016



Zoo-Highlights in Deutscher Gebärdensprache

 

Der Berliner Zoo ist um eine neue Attraktion reicher. Daniel Meixner führt hier seit April 2016 fachkundig gehörlose Besucher in Gebärdensprache von Gehege zu Gehege.

 

Herr Meixner Sie sind eigentlich als Gebärdensprachdolmetscher bekannt. Wieso auf einmal der neue Job?

Daniel Meixner: Meinen Beruf als Gebärdensprachdolmetscher verfolge ich nach wie vor mit großer Leidenschaft – es ist mein Traumberuf. Als Zooschul-Guide kann ich weitere Leidenschaften zusammenführen: Von klein auf bin ich mit Tieren und mit Natur aufgewachsen. Ich war schon immer neugierig auf die Welt und wollte alles wissen. So konnte ich stundenlang auf dem Boden liegen, um einem schillernden Mistkäfer bei seiner Arbeit zuzuschauen. Das tue ich übrigens auch heute noch!

Schon immer war ich von Zoos begeistert. Und so kam mir die Idee, meine Leidenschaften für Tiere und für Gebärdensprache zu kombinieren und mit einer dritten zu verbinden: meiner Freude, mein Wissen an andere weiterzugeben.

 

Auf der Webseite des Zoos werden Sie Zooschul-Guide genannt. Was bedeutet das?

Die Aufgabe eines Zoos ist es ja nicht einfach nur Tiere zu zeigen, sondern er ist ein wichtiger Ort der Wissensvermittlung. Seine Aufgabe ist es, den Besuchern die Vielfalt der Tierwelt, biologische und ökologische Zusammenhänge sowie die Aufgabe von Umwelt- und Artenschutz näher zu bringen. Für viele Menschen ist der Zoo heute die einzige Gelegenheit zur persönlichen Begegnung mit Tieren. Die Zooschulen bieten dabei die Möglichkeit, Wissen zu vermitteln.

Als Guide benötigt man Wissen über Tiere, Biologie, Ökologie, die Zusammenhänge der unterschiedlichen Systeme, Zoogeschichte und vieles mehr. Man sollte aber auch Freude am Umgang mit Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern mitbringen.

 

Mussten Sie dazu eine Ausbildung machen?

Die Ausbildung zum Zooschul-Guide ist keine typische Berufsausbildung. Sie setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen:

·         man muss viel Vorwissen mitbringen

·         neugierig auf Neues sein

·         sich selbstständig in die Themen des Zoos einlesen

·         sich mit seinen Kollegen austauschen

 

Der wichtigste Punkt ist jedoch: „Lernen durch Erfahrung“. Bevor man selbst als Guide losziehen kann, begleitet man seine erfahrenen Kollegen auf ihren Touren: Wie bereiten sie sich vor? Welche Gegenstände, sogenannte Exponate, nehmen sie als Anschauungsmaterial mit? Wie gehen sie mit den Besuchern um? Wie läuft eine Fütterung ab und wo holen sie das Futter? Was erzählen sie über die Tiere und wie binden sie die Themen Tierhaltung und Artenschutz mit ein?

Dann erst geht es los! Man bekommt seine erste Tour – nur die Fütterungen und Kulissenblicke werden von der Zooschule in Absprache mit den Tierpflegern vorgegeben, da sie an bestimmte Zeiten gebunden sind.

Ich plane also alles um die beiden Events herum. Der Rest ist gute Vorbereitung und auch spontanes Reagieren auf die Wünsche der Besucher, nur so kann es eine spannende und unterhaltsame Führung werden.

 

Wie lange dauert die Tour mit Ihnen durch den Zoo?

Eine Tour dauert im Schnitt 90 Minuten. In dieser Zeit zeigen wir den Besuchern einen Ausschnitt aus dem großen Angebot des Zoos. Für alle Tiere reicht die Zeit nicht aus. Unsere Touren bieten immer wieder unterschiedliche Einblicke. Neben Geschichten rund um den Berliner Zoo, seine tierischen Berühmtheiten Gorilla Bobby, Flusspferd Knautschke und Eisbär Knut, geht es bei den Touren natürlich in erster Linie um die aktuellen Bewohner in all ihrer Vielfalt. Darüber hinaus gibt es Einblicke in die Tierhäuser sowie allerlei Spannendes über Tierhaltung, -training und -beschäftigung.

 

Natürlich darf der Aspekt Artenschutz auch nicht fehlen: Gäste erfahren Details über den wertvollen Beitrag, den der Zoo Berlin in Sachen Artenschutz leistet, welche Tiere vom Aussterben bedroht sind und wie man sie am besten schützen kann.

 

Machen Sie auch Abendtouren?

Das Tourenangebot des Zoo Berlin und auch des Tierparks, ist sehr vielfältig. Wir bieten von thematischen Erwachsenen-Führungen über Überraschungstouren bei Kindergeburtstagen bis hin zu wissenschaftlichen Touren mit Schulen und Kitas an. Abendführungen stehen auch auf dem Programm. Neben den Führungen in Gebärdensprache gibt es auch Führungen für Blinde.

Die Idee der Zooschule ist es, die Führungen in Gebärdensprache nach und nach auf die übrigen Angebote auszudehnen. So wird es bestimmt bald auch mal Führungen im Zooaquarium gegeben. Aber alles Schritt für Schritt. Es lohnt sich also immer mal wieder auf die Homepage des Zoos zu gehen, um von den neusten Angeboten zu erfahren.

 

Was sind die Zoo-Highlights?

Im Moment sicherlich das Gorilla-Weibchen Fatou, sie feierte ihren 59. Geburtstag und ist damit der zweitälteste Gorilla der Welt. Selbstverständlich sind alle Jungtiere Highlights für die Besucher, aber auch das spektakuläre Flusspferdehaus, in dem man den Flusspferden hinter einer dicken Glasscheibe auch Unterwasser zu schauen kann. Es gibt neue Beschilderungen der Gehege mit spannenden und unterhaltsam aufbereiteten Informationen zu den Tieren. Der Eingangsbereich am Löwentor wird gerade erneuert und ausgebaut, ebenso das Vogelhaus und der Streichelzoo.

Im Grunde sind die Zoohighlights immer im Wandel so wie die Natur eben auch. Es wird nie langweilig und es gibt immer wieder Neues zu entdecken!

 

Dürfen Besucher die Tiere füttern oder streicheln?

Auf meinen Touren sind das die Höhepunkte! Zusammen gehen wir in die Gehege oder hinter die Kulissen und schauen uns die Arbeitsbereiche der Tierpfleger an, z.B. Küchen, Stallungen und Lagerräume. Anhand dieser erkläre ich dann vieles zu den Tieren, aber auch welche große Verantwortung die Pfleger/-innen für ihre Tiere haben.

Einige Tiere können wir nur mit großem Abstand füttern, z.B. Flusspferde. Davon abgesehen, dass sie sich tagsüber oft im Wasser aufhalten, zählen sie zu den gefährlichsten Tieren auf der Welt. Es sterben im Jahr ca. 100 Menschen durch Flusspferde und nur ca. 1 – 15 Menschen durch Haie.

Lamas hingegen können wir beim Füttern auch anfassen und streicheln. Nur nicht im Gesicht! Das empfinden sie als Bedrohung und können als Fluchttiere in ihrer Panik auch mal austreten. Bespucken tun sie sich eigentlich nur untereinander, um sich zu verteidigen oder ein klares Signal zu setzen, dass sie in Ruhe gelassen werden wollen.

 

Was sind die Lieblingstiere der Kinder?

Löwen, Tiger, Elefanten – die Klassiker. Seit einiger Zeit aber auch Rentiere. Als Guide sollte man schon wissen, wer gemeint ist, wenn die Kinder plötzlich: „Da ist Sven!!!“ gebärden. (Das Rentier aus dem Disney-Film „Die Eiskönigin“ heißt so).

 

… und die der Erwachsenen?

Bei den Erwachsenen ist es ähnlich. Hier sind aber auch mal das Flusspferd, das Nashorn oder der Tapir ein Favorit. Pinguine und Robben kommen aber auch immer gut an.

 

Und was Ihr Lieblingstier und warum?

Mein Lieblingstier ist der Pfau. Er ist ein prachtvoller und stolzer Vogel. Er steht für mich für die Schönheit der Natur. Wie diese, erneuert er sein Federkleid einmal im Jahr. Wird unscheinbar, um dann nach einiger Zeit umso schöner sein Rad zu schlagen.

Die Pfauenhennen reagieren aber nicht auf das prachtvolle Rad, sondern auf die unscheinbare Rückansicht. Diese verrät ihnen, ob der Hahn ein gesunder, kraftvoller und damit potentieller Erzeuger sein kann.

Interessant ist auch, dass der Zoologische Garten gar keinen Pfau hält. Dafür aber der Tierpark. In der Fasanerie des Zoos, meinem Lieblingsort, gibt es zum Trost aber den um einiges kleineren Pfaufasan. Sein Gefieder ist ebenfalls sehr schillernd und trägt metallisch-blaue Augen.

 

Artenschutz und Tierhaltung sind auch Themen während Ihrer Führung. Was müssen wir darüber auf jeden Fall wissen?

Wie schon gesagt, ist es für den Erhalt der Arten und der Natur wichtig deren Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen, welchen Anteil wir Menschen daran haben. Jeder kann auf seine Art einen Beitrag dazu leisten.

Der Zoo Berlin führt z.B. die Zuchtbücher für die beiden afrikanischen Nashornarten und den Gaur, ein asiatisches Wildrind. Hintergrund dabei ist, die Weitergabe von Tieren in andere Zoos zu koordinieren, um so für genetische Vielfalt zu sorgen.

Immer mehr geht der Zoo dazu über, größere Flächen für weniger Tiere mit optimaleren Lebensbedingungen anzulegen.

 

Was sind die typischen Fragen Ihrer gehörlosen Besucher?

Die typischen Fragen unterscheiden sich nicht von denen Hörender: „Können wir Löwen füttern?“ „Darf ich einen Babyaffen streicheln?“ Es kommen einfach ganz viele Fragen zu den Tieren oder den Exponaten, die ich zeige.

 

Was kostet die DGS-Führung und wie lange vorher muss man die Tour reservieren?

Die Tour kostet 20 € pro Person, darin enthalten sind der Eintritt, die Führung und der Blick hinter die Kulissen bzw. die Fütterung. Alle Termine für Sommer 2016 stehen bereits fest und können ab sofort gebucht werden. Jede Tour ist auf max. 15 Personen begrenzt, daher lohnt es sich frühzeitig anzumelden. Alle Infos dazu finden Sie unter diesem Link: http://www.zoo-berlin.de/de/erlebnis-zoo/fuehrungen-und-touren/gebaerdensprache-tour

 

Vielen Dank für das Interview und noch viele schöne Touren durch den Zoo!

 

Text: Judit Nothdurft

Foto: Daniel Meixner

 

 
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