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Experten-Interview Februar 2024



Aufführungen im Berliner Chamäleon Theater mit Gebärdensprache ernten überwältigend positive Reaktionen

 

Im Berliner Chamäleon Theater finden regelmäßig Theateraufführungen mit Deutscher Gebärdensprache (DGS) statt. Damit wird auch gehörlosen und hörbehinderten Zuschauern ein barrierefreies Kulturerlebnis ermöglicht. Hierzu habe ich Geordie Brookman, den Dramaturgen des Theaters, interviewt.

 

Herr Brookman, Inklusion und Barrierefreiheit, worüber in vielen Kulturstätten vorerst noch geredet wird, gehört bei Ihnen schon längst zum Alltag. Woher kam die Inspiration, Ihre Aufführungen auch in DGS anzubieten?

Geordie Brookman: Unsere DGS-Aufführungen entstanden im Rahmen einer größeren Reise, um das Chamäleon so zugänglich wie möglich zu machen. Zugang und Inklusion sind etwas, das uns im Chamäleon sehr am Herzen liegt. Wir hatten das große Glück, schon früh in diesem Prozess mit Ute Sybille Schmitz zusammenzuarbeiten, die uns eine großartige Begleiterin und Mitarbeiterin war und noch immer ist.

 

Nach welchen Kriterien wird ausgewählt, welche Stücke in Gebärdensprache performt werden sollen?

Wir versuchen, so viele unserer Produktionen wie möglich in Gebärdensprache aufzuführen. Je nach Inhalt der Aufführung bieten wir entweder reguläre Gebärdensprachbegleitung oder Gebärdensprache mit übersetzter Musikperformance an.

 

Oft performen bei Ihnen hörende und gehörlose Gebärdensprachdolmetscher auf der Bühne. Wie verläuft die Zusammenarbeit mit den hörenden Darstellern?

Es funktioniert wunderbar, unsere DGS-Aufführungen gehören zu den schönsten Abenden im Theater. In der Regel liefern unsere hörenden Dolmetscher textbasierte Elemente und die gehörlosen Dolmetscher die musikalische Komponente. Für die hörenden Darsteller ist die Arbeit mit den DGS-Dolmetschern eine unglaublich bereichernde Erfahrung.

 

Neben dem Einsatz von Gebärdensprachdolmetschern, was ist das Besondere an den Inszenierungen in Ihrem Theater?

Nun, wir glauben, dass der zeitgenössische Zirkus eine Kunstform ist, die für jeden etwas zu bieten hat, weil er sich auf die menschliche Verbindung konzentriert! Eines der wunderbaren Dinge daran ist, dass es immer wieder Überraschungen gibt, nicht nur von Show zu Show, sondern auch von Abend zu Abend.

 

Wie ist das Feedback von gehörlosen Zuschauern?

Unsere Rückmeldungen waren überwältigend positiv, was uns nur darin bestärkt, unsere Programme zur Barrierefreiheit weiter auszubauen.

 

Am 04.02.2024 wird „Casting Off“, am 11.02.2024 „Show Pony“ von den Gebärdensprachdolmetscherinnen Ute Sybille Schmitz und Erika Müller live gedolmetscht. Worum geht es in diesen Stücken?

Sowohl "Casting Off" als auch "Show Pony" werden von generationenübergreifenden feministischen Zirkustruppen produziert, eine aus Australien, eine aus Deutschland. Die Shows befassen sich mit der weiblichen Erfahrung in der Zirkusbranche und feiern die Beständigkeit und Entschlossenheit der Artistinnen. Sie erzählen Geschichten, die sehr nah an den Erfahrungen der Artistinnen sind.

 

Warum sollten Gehörlose diese Stücke anschauen?

Es sind fesselnde Geschichten, die Elemente des Theaters und des Zirkus auf wirklich spannende Weise miteinander verbinden. Die textbasierte Erzählung ist für beide Produktionen unglaublich wichtig. Durch DGS können wir sicherstellen, dass gehörlose Zuschauer den gleichen Zugang zu diesen Geschichten haben, wie der Rest des Publikums.

 

Letztes Jahr wurde Ihr Theater von Kulturstaatsministerin Claudia Roth mit dem Theaterpreis des Bundes ausgezeichnet. Haben Sie damit gerechnet? Was bedeutet diese Auszeichnung für Chamäleon?

Es war ein wunderbarer Moment für das gesamte Chamäleon-Team, eine echte Anerkennung für die jahrelange harte Arbeit auf und hinter der Bühne. In emotionaler Hinsicht ermutigt uns das weiterzumachen und nach neuen Wegen zu suchen, um der Öffentlichkeit zeitgenössischen Zirkus zu präsentieren. In praktischer Hinsicht ermöglicht uns der Preis, unser erweitertes Residenzprogramm zu finanzieren, das Künstlerinnen und Künstlern den Raum und die Unterstützung bietet, um neue Arbeiten zu entwickeln.

 

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei den Aufführungen!

 

Text: Judit Nothdurft

Bild: Thomas McCammon

 

 

 
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